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Volker Blumenthaler

PROGRAMM-INFORMATIONEN -- BR STUDIO FRANKEN -- HÖRFUNK


MONTAG - 30. NOVEMBER:

22.05 - 23.00 Uhr, Bayem2Radio:

FORUM MUSIK

Magie des Zufalls
Der Komponist Volker Blumenthaler - Musik am Ende der Utopien
Von Jörg Krämer

Die Kraft der Utopien scheint heute stark nachgelassen zu haben. In den Zeiten der "Postmoderne" gelten Utopien bestenfalls als ideologieverdächtige Relikte der großen "Meta-Erzählungen" (J.-F. Lyotard} der Vergangenheit. Freilich kommt keine Musik, die mehr sein will als funktionelle akustische Kulisse, ohne utopisches Denken aus; alle ernstzunehmende Musik baut Gegenwelten auf, bricht auf in neue Ordnungen.

Um dieses Spannungsverhältnis kreist das Werk des Komponisten Volker Blumenthaler. Seine Musik folgt weder den ausgetretenen Pfaden der etablierten Trends neuer Musik, noch schließt sie sich den postmodernen Belanglosigkeiten des "anything goes" an. Auf eine ganz eigene Weise stellt sich Blumenthaler dem Zerfall der gesellschaftlichen und künstlerischen Utopien.

Besonders deutlich wird das in seiner langjährigen, hartnäckigen Auseinandersetzung mit dem Argonautenmythos, diesem Urbild des Aufbruchs und der Utopie schlechthin, bei dem jedoch "der strahlenden Macht des Aufbruchs die allmähliche Demontage" (Blumen-thaler) folgt. Ähnlich beginnen Blumenthalers Argonautenstücke mit großen Gesten des Aufbruchs und enden im Zerfall. Doch selbst in diesem Zerfall bleiben dennoch Elemente des Utopischen erhalten. Sie manifestieren sich in der gestalthaften Ordnung des Kunstwerks selbst.

Im Gespräch mit Jörg Krämer gibt Volker Blumenthaler Einblicke in seine ästhetischen Verfahrensweisen, in "Schattengeburten" und in die "Magie des Zufalls".

Volker Blumenthaler stammt aus Mannheim, studierte Violoncello, Tonsatz und Komposition in Köln und lehrt seit 1992 am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg. Er erhielt u. a. den Förderpreis der Stadt Stuttgart, das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln und war Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom.