Volker Blumenthaler

zum Klavierlied

Das Klavierlied ist seit den Tagen Schönbergs und seines Kreises weit weggerückt aus den Zentren kompositorischer Ideenküchen, gern verwiesen ins Museum ausrangierter Genres. Dabei eröffnet gerade sein skizzenhafter, punktueller Charakter wie eine musikalische Momentaufnahme Einblicke in eine mehr und mehr labyrinthisch erscheinende Welt. Nicht die Totalität erheischende Großform, sondern das Fragment, die Facette liegt näher am Puls unserer Zeit. Das Alltägliche und das Fremde, das Eindeutige und das Schillernde, die vielen wichtigen Kleinigkeiten, die schnell übersehen und vergessen werden, überflutet von immer Neuem, fügen sich zum vielschichtigen Mosaik. Das Revolutionierende des Schubertschen Liedes, das Einfangen der Aura des Augenblicks, das Auf-den-Punkt-bringen, ist für die Liedkomposition nach wie vor gültig.

(Booklet-Kommentar zur CD Lovers Maze 1989)