Volker Blumenthaler

SCHATTENGEBURT
Trio für Klarinette, Violine und Violoncello ( 1982 )

Am Anfang standen vage Pläne und die Suche nach einem Titel, der schlaglichtartig benennen sollte, was da an Tönen im Kopf sich ereignete. Die Chiffre Schattengeburt war ein Fund, ausgegraben aus dem Gedicht Elegie von Erich Arendt.
Mit der Findung des Namens klärten sich relativ rasch die Materialshpäre und die formalen Überlegungen. Einer nächtlich-umrißhaften Einleitung folgen Klangskulpturen wie ins grelle Licht getaucht. Das Ausbrechen in die Bewegung endet schließlich in kreisenden Klangfiguren, versickert in ein schattenhaftes Scherzo. Ein rastloser Spuk, in dessen Mitte wie eine ferne Insel plötzlich eine musikalische "idée fixe" aufscheint, ein klarer, kurzer melodischer Gedanke in unisono. Abschließend der Versuch eines Adagios. Ein Versuch, der über den Torso nicht hinausreicht. In das Anheben des Gesangs ragen reprisenartig, retrospektiv Teile des Vorangegangenen wie Erinnerungsschübe hinein.
Gegen den Schatten gestellt die geträumte Harmonie: die Proportionen des Goldenen Schnitts und der fast zwanghafte Wille, ordnen zu wollen, eine Gegenwelt zu bauen. Im Komponieren dann das Scheitern. Der Gesang bricht ab. Der Traum vom Ankommen, vom Finden eines Ithaka verweht im in sich kreisenden Melos. So bleibt die "idée fixe" nur ein Gedanke, eine Projektion mit utopischem Potential.
Das Stück entstand 1982 im Auftrage der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim und ist meinem ersten Kompositionslehrer Hans Vogt gewidmet.

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