Volker Blumenthaler

JASON - STUDIE für Streichquartett ( 1991 )

Dem Stück liegen zwei verschiedene Skizzen, zu einem Streichtrio und zu einem Quartett, zu Grunde. Das Material beider Torsi wurde zu der jetzigen Form zu-sammengeschmolzen. Das Scheitern und das Neuansetzen prägt den Grundzug des Stückes. Hierin liegt Verwandtes mit dem Jason-Mythos: Ausfahren, Finden und Verlieren. Diese erste große Reise der griechischen Heroengeschichte, diese Vorodyssee, steht in einem Bezug zu uns Heutigen. Die Metapher des Ausfahrerns birgt utopisches Potential, ebenso die Metapher des Schiffs als Ort eines Transfers in unbekannte Räume, wenn auch diese Räume eher in unserem Kopf aufzusuchen wären. Nur, die Kraft zur Utopie, zum Traum vom Goldenen Vlies scheint heute merklich erlahmt. Jason hat den "großen Traum" und mit Macht bricht er auf zu seinem fernen Ziel. Darum steht zu Beginn des Quartetts eine musikalische Kraftmetapher, eine Geste des Aufbrechens. So wie das Ziel immer näher rückt, so wird diese musikalische Figur deutlicher und differenzierter. Aber sie zerfließt wie ein Trugbild bei näherem Augenschein, denn Jason gelangt eigentlich blind und ohne eigenes Zutun an sein Ziel mit Hilfe des mythischen Schiffes Argo, seiner mythischen Begleiter und einer Frau, die er nicht gesucht hat, Medea. So wandelt sich diese Figur vom Kraftvollen ins Träumerische, zerfasert, zerrinnt. Sie formt für einen kurze Zeit ein Bild des ersehnten Vlieses. Im Moment der Agonie zerstäubt es wieder. Zwischen dem Auftönen der Kraftmetapher Aufbrüche, Ausfahrten, verschieden Stationen, Teilstücke einer Reise.


jasons traum

jason mit der einen sandale brach auf zu seinem goldenen traum aus zog er auf sprechender planke und mit göttersöhnen er der menschliche der goldene traum ist der weg die dunkle medea barg ihn aus dem schlund des hadesdrachen hell leuchtete ihm das vlies götterlaune blendung der wortbrüchige scheiterte im labyrinth seiner hoffnung federnwirbel fern gischt tönt vertraute hymne rätsel als der berstende kiel ihn traf.

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