Volker Blumenthaler

Bemerkungen zum Jason - Essay ( 1993 ) für sieben Instrumentalisten

Am Ende der Komposition stand eine Zahl. Die Zahl Elf : die "unreine" Zahl bei den Christen, bei den Arabern die "stumme" Zahl und im Tarot sie Zahl des Weges oder der Entscheidung.
Im Zusammenhang mit dem Jason - Mythos ergibt sich eine zufällige, aber für mich bemerkenswerte Koinzidenz. Jason ist der Suchende, der geführt vom Zufall oder doch von Außen kommenden Ereignissen das Ziel scheinbar erreicht. Weil er den Weg nicht in eigener Verantwortlichkeit beschreitet, sondern nur mit Hilfe von Göttersöhnen und der zauberischen Medea an den Ort gelangt, wo Licht und Hades sich treffen, bringt ihm, als dem "Geführten", das Goldene Vlies kein Glück. Der erste große Suchermythos der Griechen ist auch ein Mythos des Scheiterns. Eine Variante der Saga berichtet, daß der alte Heros sich unter die morschen Planken der Argo legt und von den herabstürzenden Trümmern erschlagen wird.
Die Zahl Elf hat sich "zufällig" und mir Macht in die Komposition eingeschlichen. Zu Beginn stand der Titel, der am Ende durch die Zahl komplementär ergänzt wird. Sie regiert den Umfang, die Dauer, die entscheidenden Schnittpunkte der Dramaturgie, sogar einzelne klangliche Ereignisse und zuletzt gar auf beinahe unheimliche Weise den Zeitpunkt der Fertigstellung. Hier war der Komponist ein vom produktiven Zufall "Geführter".
Das Stück eröffnet mit einem Prolog der drei Streicher. Er entstand nach dem Essay und setzt diesen dadurch in ein anderes Licht, in eine dramatische Situation.