Volker Blumenthaler

Notizen zu Invenzioni capric

a nove ( 1990 )

Das Capriccio, ein Genre der Malerei, Darstellung einer Ruinenlandschaft. Beliebt waren antike Monumente, phantasievoll kombiniert zu einer oft bizarr anmutenden Trümmerwelt.
Der Capriccio-Blick auf unsere alltägliche Welt enthüllt keine poetisch stimulierende Phantasmagorie, nur noch apokalyptisch wirkende Müllhaufen fortschreitender Zerstörung. Haftet den antiken Steinhaufen immer noch ein Rest ästhetischen Scheins, Spuren einstiger Größe an, so reflektieren die Glasfassaden der heutigen Tempel der Macht die Ergebnisse der profanen, tagtäglichen Vernichtung.
Das Capriccio gewandelt vom manieristisch erdachten Ruinenplatz zum endzeitlichen Todesbild.
Invenzioni capric...das Subtile, das Feinziselierte, Reste von Ornamentik, Bruchstücke gegen plötzlich auftrumpfende Schübe von Gewalttätigkeit; Anmaßungen einer kurzatmigen Gegenwart, betäubende Lärmwand. - Bei aller Heftigkeit mancher Ausbrüche sind es nie stabile Klangflächen oder Blöcke. Im Inneren dieser Lärmwände herrscht Unruhe, Instabilität, die diese scheinhafte Monumentalität zum Einstürzen bringt. Immer wieder Musikmaschinen, hektische Konstruktionen, die sofort wieder kaputt gehen.