Volker Blumenthaler

...gewachsen ins Auge
nach Texten von Johannes Kühn
für Sopran, Klarinette, 2 Violinen und Violoncello 1999


Die Arbeit am Stück begann mit einem Sich-Hineintastens in die Texte Johannes Kühns. Ich habe mir einige Fragmente ausgewählt, die mir beim Lesen besonders auffielen. Sie bildeten das textliche Gerüst des Stückes. Es handelt sich also nicht um ein Vertonen der Gedichte im klassischen Sinne, sondern es ist eher eine behutsame musikalische Annäherung an den Text. Aus der stillen Lektüre tauchen einzelne Bezüge auf und werden Klang, finden zur Stimme. Es geht natürlich auch um die Aura der Texte. Hier kann Musik einsetzen, als eine subjektive Ebene des Komponisten.

TEXTE

"...gewachsen ins Auge" Fragmente aus Gedichten von Johannes Kühn

A
(aus Die Landschaft schreibt)

sandschwer,
steinschwer,
grasleicht,
lufthell.

B
(aus Nach dem Begräbnis)

...daß mit den Bächen
ich abstürz im Rausch des Lebens

C
(aus Beim Mondlicht)

Unterm Mond
Hügelsprünge.

D
(aus Nachtgesang)

...ging ich metallene Wege der Nacht.

E
(aus Dorfmusik)

Aus dunklen Hosentaschen fahren lange Arme
und geistern schwingend durch die Luft
wie Zweige

(aus Träumerei)

Die Pfennige des Glücks
sind auf dem Pflaster tanzend

F
(aus Nacht)

...hat ihn niedergeschlagen die Nacht
wie einen Schmetterling...

G
(aus Überblick)

Sterne
habe ich gezählt,
Sand mit dem Fuß aufgesprüht,
anderen Unsinn getrieben.
besungen habe ich die Feuer der Königskerzen,
Pirol, der vom Ast den Gong übt.

H
(aus Das Dorf)

Das Heimweh
hat viele Häuser.

I
(aus Erwartung)

Aufgestoßen sind
alle Türen der Sinne.

Erwartung,
ein Fest,
auch wenn keiner kommt.

J
(aus Finsternis)

Dann aber ausgeloschen die Sonne
hinter den Bergen...

K
(aus Mond, mein Freund)

Du mußt mir bei sein
am Abend,wenn ich zu dir will,
mein Mond,
du wirst das Dorf mir weihn
in später Nacht. Du bist nicht laut und schrill,
mein Mond.

L
(aus Nur mit den Raben)

Es hat sich der Winter eingenistet
in Aug und Mund.

M
(aus Erinnerung)

Es ist mir ein Eis gewachsen ins Auge.

N
(aus Mittag)

Ich fand
für mein Herz einen Mittag.

Nur ich Trunkener fiel,
und die Augen
erstickt vom gelben Licht.

O
(aus Am Fluß)

Ich hab ein Ohr
für Gärten, die leise werden
in des Nebels Gespinst.

P
(aus Am Fenster der Verheißung)

...immer noch griff
ich die Schatten...

Datenschutz