Volker Blumenthaler

Gartenstücke

vier Haiku mit einem Epilog
für Sopran und Klavier 1999

Texte:

Bashô (1644-1694)

Der alte Teich
Ein Frosch springt hinein -
Das Geräusch des Wassers.

Masa-Oka Shiki (1866-1902)

Kunstvoll
habe ich in Blüten aufgehängt
die Lampe.

Die Stundenblume -
noch während ich sie male
dahingewelkt.

Saitô Mokichi (1882-1953)

Vom Altpapier
das ich im Garten hier verbrenne,
steigt Rauch auf.
Die ich geliebt,
wie fern, wie fern jetzt!

Gartenstücke (Volker Blumenthaler): begrenzter Raum, der uns übersetzt in andere Räume.

Im Garten sind [...] die erhabenen Elemente weniger aggressiv als beim Anblick der hohen Berge; das Paradoxon des Gartens besteht gerade darin, daß er wie die unbeschränkte Natur aussehen will und sie doch kommensurabel macht. Garten als konkrete Auszugsgestalt der Versöhnung, Vermittlung zwischen Ferne und Nähe...
(Gérard Raulet: Natur und Ornament, Darmstadt und Neuwied, 1987, S.50)

Im Haiku sind die Dinge, so wie sie sind, sagbar; der Mensch, der sie sieht und sagt, gehört mit den Dingen der Natur in einen und den gleichen Zusammenhang des Seins hinein.
Die Haiku-Welt kennt keine Spaltung in Ding und Bedeutung, Anschaulichkeit und Sinn, überhaupt keine totalen Dualismen. Die Erfahrung der Welt als Eins und Ganzes ist allgemeinste Aussage des Haiku.
(Haiku, Japanische Gedichte, hrsg. Dietrich Krusche, dtv, München 1994, S.117)

Es fehlt das Moment der Perspektive und die damit verbundenen Konflikte zwischen Alltäglichem und Wunschlandschaft. Musikalisch Reduktion auf Essentielles: ein Ton, ein Klang, eine Bewegung, Stille. Nicht Prozeßhaftigkeit und Dynamik, sondern Ausloten eines Momentes, Verharren im Subtilen.

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