Volker Blumenthaler

colori di dissidio 2004 für Akkordeon

Vielleicht können folgende Gesichtspunkte zur Idee des Stückes als einen Zyklus fasslicher und klar abgegrenzter Gestalten hilfreich sein: Ein beharrendes Terzen-Motiv, eine flüchtig verwehende Figur, ein ornamental umspielter Einzelton, Linien durch Spiegelakkorde harmonisch verdickt und auf die Fläche projiziert, rasche ausladende und polyphone Gestik, ein pulsierendes und expandierendes Klangfeld.

Wichtig war für mich der Effekt der Gestaltänderung im Moment des Erinnerns (ein typischer Vorgang in der musikalischen Wahrnehmung), die Verschiebungen und Abweichungen, das "Umsingen" etc. Musikalisches Fortschreiten nicht als konfliktgeprägter Prozess, eher liegt hier eine andere Form des Entwickelns oder besser Infragestellens vor. Ein Kreisen oder Schwingen, dessen Phasen sich immer aufs Neue verändern. Diesen Zweifel an einer letztendlichen Gestalt könnte man vielleicht als eine vitale oder offene Form bezeichnen, die jedoch bei diesem Werk am Ende in einen finalen Ton mündet.

Das Werk ist Teodoro Anzellotti gewidmet und wurde von ihm am 15.06.2005 in Nürnberg uraufgeführt.