Volker Blumenthaler

Cantus ianalis 1986

Monodie für Sopran ( Mezzosopran ) und Klavier ( 1986 )
nach Texten von Otto Winzen, Alkman, Friedrich Hölderlin und Homer

Der Gesang des doppelgesichtigen Gottes Janus - die Tore seines Tempels sind nur in Kriegszeiten geöffnet - tönt von schwindenden Spuren und dem immer noch ziehenden schwarzen Todesschiff. Texte und Musik wie Chiffren, monodisch. Im Zentrum das zynische Gelächter einer homerschen Gottheit über den vom Kriegswahn verblendeten Menschen.

Texte:

Otto Winzen

Daß auch die Spur schwinde,
dem Meergras gleich
auf steinerner Schwelle.

Alkman

Nun ruhen der Berge Gipfel und Schluchten
die Matten und die Täler der Flüsse.
Alles Gewürm, das Wild, die schwärmenden Völker der Bienen.
Nun ruhen die vielen schmalgefiederten Vögel.

Friedrich Hölderlin

Schattenbild unserer Erde, der Mond.
Über Gebirgshöh´n traurig und prächtig herauf.
Einsam stand ich.

Homer

Und es drang aus dem Nacken die eherne Lanze
durchbohrend unter dem Hirn ihm hervor
und zerbrach die Gebeine des Hauptes
und ihm entstürzten die Zähn´und Blut erfüllte die Augen.

Otto Winzen

Aber der Königstraum dem Vogelschauer in die Seele gelegt
zieht wieder ein schwarzes Schiff.

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