Volker Blumenthaler

Kommentar

zu ZEITRISSE für Klavier ( 1983 )

...das Haupt.
Singen...
Berg, seit
der Zerissene schrie...

..das hautdünne Licht,
schmerzt hart
unters Lid...

Mondatem,
silberschwarz, gipfelnd
im Nacktesten:
Stein.

Aderglanz, kalt...

...im windleeren Tor
Stille, lippenlos.

...Staublettern,
keimblättrig...
...die duftharte Rinde
in der blutenden Hand...

...lautleere Maske,
unter
abstraktem Himmel
altert gramgrauer Stein, die
sperrige Fläche...

Felshaupt und Sternwind,
gebrochen...

Flut,
meergetrieben
das Haupt.
Singen...

Berg, seit
der Zerissene schrie...

Textfragmente aus Gedichten von Erich Arendt ( geb. 1903 )

Die ausgewählten Texte stehen in keinem direkten programmatischen Zusammenhang zu der Komposition, dennoch existiert eine innere Beziehung, einmal durch die Gleichzeitigkeit von Lektüre der Texte und Arbeit am Stück, zum anderen Mal in der fragmentarischen Gesamtkonzeption beider Werke, in denen Gedanken immer wieder abbrechen, Bilder, Zeichen, Chiffren auftauchen und verschwinden, unterirdisch weiterarbeiten, um verwandelt erneut Gestalt zu gewinnen.

Außerdem ist das Stück eine Hommage an den 1973 ermordeten chilenischen Dichter, Sänger und Komponisten Victor Jara.