Volker Blumenthaler

zu
Im Garten Armidas träumt François de Nome

In einem Teil meiner Kompositionen spielt die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst eine wichtige Rolle. Dabei geht es weniger um eine Transposition eines Bildes in Klang, also nicht um Klangbilder, sondern um eine Beschäftigung mit der Person des Malers oder dessen Denken, natürlich auch um spezifische Bilder, aber auch um die Ästhetik des Malens. Maler wie Dürer, Piranesi, Hogarth, Desiderio Monsù, in jüngerer Zeit auch verschiedene chinesische Maler sind Gegenstand dieser Musiken.
Der geheimnisvolle Maler Desiderio Monsù, um dessen Bilderwelt es in dem Trio vornehmlich geht - sein Werk wurde erst um 1950 der Vergessenheit entrissen - war aus heutiger Sicht ein Maler des surealistischen Schauers. In seinen Bilderwelten finden wir implodierende Kirchen, wilde und bizarre Architekturen voller Stilzitate. Es ist eine manieristische Theaterlandschaft, in die wir erstaunt hineingezogen werden.
Schon zu seinen Lebzeiten (ca. um 1625) rankten sich Vermutungen und Ge-rüchte um die Identität seiner Person. Niemand weiß, ob Desiderio Monsù, Didier Barra oder François de Nome eine Art Künstlergruppe oder ein und dieselbe Person waren. Es bleibt ein manieristisches Spiel mit wechselnden Identitäten. Der oder die Künstler scheinen hinter Masken zu verschwinden. Fast scheint es, als ob Monsù sich in das Hinterland seiner Bilder hineinträumt, in seinen "Garten Armidas", und sich verliert in den dreifachen Aspekten seines Ichs. Maske und Labyrinth als Metapher jener Zeit haben in unserem Zeitalter Ihr Korrelat in der Simulation und medialen Illusion (Baudrillard).
» Prolog - Danza di Monsù - Triade - Barra - Intermedium - Tetraktys/Labyrinth « lauten die einzelnen Abschnitte des Trios. Das Stück entrollt sich denn auch wie ein fiktives Bühnentableau, mal Tanz mal Portrait, dann Szene, zum Schluß eine Art Ortsbegehung.
Die
erste Fassung des Stücks von 1989 ist für Blockflöte, Tenor-Baß-Gambe und Cembalo geschrieben. 1991 erfolgte eine zweite Fassung, eine Umarbeitung für die "moderne" Besetzung Querflöte, Violoncello und Klavier. In das Stück spielt durch diese sehr unterschiedlichen Klangidentitäten etwas von Monsùs Maskenspiel hinein.